RTF Fahrtechnik

Das Windschattenfahren ist ein beliebtes Mittel, um zu hohen Fahrleistungen zu kommen. Wer im Pulk fährt, kann durchaus zwei Gänge hochschalten und sich etwas erholen. Die Fairness gebietet es natürlich, die Schrittmacher vorn regelmäßig abzulösen.

Du solltest das Fahren mit reduziertem Sicherheitsabstand mit Vereinsfreunden vorsichtig üben, bis du dein Reaktionsvermögen kennst. Schließe dich nur einer Gruppe an, wenn du den Eindruck hast, dass keine hektischen Manöver gefahren werden. Fahre immer mit etwas seitlichem Versatz, um jederzeit nach vorn schauen zu können. Halte in größeren Gruppen oder gegen Ende längerer Touren mehr Abstand, wenn das Reaktionsvermögen sinkt. Der Windschatten reicht zudem meist länger nach hinten als du denkst.

Wenn die Straße eng wird oder das Feld sehr unübersichtlich ist, vergrößere den Abstand, halte die Hände an den Bremsen in Bereitschaft und versuche eventuelle Ausweichmanöver der voraus Fahrenden zu erahnen. Vermeide es, unruhigen und hektischen Fahrern zu folgen, die ständig herumwackeln, die Spur wechseln und das Tempo häufig planlos ändern; es ist einfach zu gefährlich. Suche dir lieber ruhige Leute, die eher ein stetiges Tempo fahren und einen berechenbaren Stil haben. Lasse dich notfalls auch zurück fallen und hänge dich an einen geeigneteren Vorreiter.

Ist dir ein Pulk zu schnell, lasse dich zurückfallen, erhole dich etwas und folge der nächsten auflaufenden Gruppe wieder nach vorn. Wenn dir dagegen eine Gruppe zu langsam ist, warte auf schnelle Fahrer, die von hinten auflaufen und hänge dich an sie, wenn sie überholen. Ein Alleinausriss nach vorn muss gut überlegt sein. Er macht nur Sinn, wenn du über längere Zeit deutlich schneller fahren kannst als die Gruppe, in der du zurzeit bist. Selbst wenn du nur einen Pulk erreichen willst, der einen halben Kilometer voraus fährt, kann dein einsamer Kampf gegen den Wind durchaus 10 bis 20 Minuten dauern, bis du die Gruppe erreichst.

Halte beim Durchfahren von Kurven erhöhten Seiten- und Sicherheitsabstand, vermindere dein Tempo nicht plötzlich und fahre die Kurve möglichst mit einem gleich bleibenden Radius. Fährst du vorn in der Gruppe, so beschleunige nach der Kurve nicht zu stark, sonst reißt die Gruppe leicht auseinander und die Nachzügler müssen sprinten, um Anschluss zu halten.

Lerne die RTF-Zeichengebung kennen und wende diese Zeichen klar und deutlich an. Folge aber den Signalen anderer Fahrer nicht blind, denn gegen Ende anstrengender Touren neigen manche Mitstreiter erfahrungsgemäß zu Nachlässigkeiten und Fehlern. Manch einer, der "Frei" ruft, meint damit nur, dass er selbst gerade noch vor einem heranrauschenden PKW die Kreuzung überqueren konnte. Nur du bist für deine Sicherheit verantwortlich.

Trinke möglichst nur, wenn du ausreichend Abstand zu anderen Fahrern hast. Trinke im Pulk, wenn unbedingt nötig, nur sehr vorsichtig. Vermeide dabei zu schwanken und länger als nur einen Sekundenbruchteil nach unten zum Flaschenhalter zu schauen. Orientiere dich kurz, taste genau nach der Flasche und vergewissere dich, dass du sie nach dem Trinken nicht neben die Halterung steckst. Flaschen in der Trikot-Rückentasche oder in einem Halter hinter dem Sattel sind gefährlich. Ich habe bei Rennen schon üble Situationen mit fallenden Flaschen beobachtet. Wenn du unsicher bist, löse dich etwas aus dem Pulk, bevor du nach der Flasche angelst oder in deinen Trikottaschen nach den Müsliriegeln suchst.


Georg Rittel, RG Wedel, 2002