Bericht eines CTF-Einsteigers

Straßentouren sind nicht alles

Zwischen Mitte Oktober und April ist üblicherweise Winterpause in der Radtouristik. Wen es allerdings bei Temperaturen unter 10°C immer noch auf zwei Rädern hinaus treibt, der kann bei Country-Touren-Fahrten Gleichgesinnte finden, die eine ganz andere Form der Fortbewegung pflegen.

Die Termine aller CTFs eines Jahres werden wie die RTFs im Breitensport-Kalender veröffentlicht. Es gibt sie deutlich häufiger südlich der Mittelgebirgsschwelle und auch im deutschen Osten, möglicherweise weil es dort leichter ist, genügend zusammenhängende und landschaftlich reizvolle Strecken abseits asphaltierter Straßen zu finden. Immerhin hat der Süden mehr Relief zu bieten und der Osten den weiten, unversperrten Raum. Neuerdings gibt es einige Versuche, CTFs auch im Norden anzubieten, um diese Variante des Radelns auch hier bekannter zu machen (im Winterhalbjahr 2003/2004 fünf Veranstaltungen, im Winter 2004/2005 schon zehn). Ich habe daher aus Neugier im November 2003 an zwei Touren teilgenommen und war regelrecht begeistert (Hier nochmals ein Lob für den BRC Semper , der mit einem kleinen Team zwei landschaftlich und fahrtechnisch reizvolle Touren organisiert hat). Im Februar 2005 durfte ich dann für die Radgemeinschaft Wedel als Gruppenscout an der ersten eigenen CTF teilnehmen.

Was ist anders?

Die Startzeit war zwischen 11 und 12 Uhr. Freies Fahren war möglich, erforderte aber wegen den schlechten Möglichkeit, die Strecke deutlich auszuschildern (im Wald stehen selten Verkehrsschilder), weitaus mehr Aufmerksamkeit als bei einer RTF. Die Mehrheit nahm daher das Angebot an, in zwei geschlossenen Gruppen unter Führung jeweils zweier ortskundiger Vereinsmitglieder zu fahren. Eine Gruppe hielt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 22 km/h ein, die andere fuhr um 18 km/h. Alte RTF-Hasen mögen hier vielleicht versucht sein, spöttisch zu grinsen, doch diese Tempi sind beileibe keine Schleichfahrt. Um diesen Schnitt zu halten, muss stellenweise mit doppelter Geschwindigkeit gefahren werden, denn schließlich gibt es auch bei mittelschweren Touren Stellen, an denen das Rad bergan geschoben oder über verschlammte Bäche getragen werden muss.

Eine Strecke von 48 km entspricht in ihren Leistungsanforderung einer RTF-Tour von 110 km und wird daher auch mit drei Punkten belohnt, auch wenn man hier nach 2-2,5 Stunden wieder im Ziel ist. Da es im wahrsten Sinne über "Stock und Stein" geht, wird oft in den Pedalen stehend gefahren, während das Rad auf und ab bockt. Schotter, Katzenkopf-Pflaster und von Traktoren und Erntewagen ausgefahrene Spurrillen voller Schlaglöcher schlauchen reichlich, sorgen aber auch für den Reiz einer CTF. Es muss mit sehr hoher Konzentration gefahren werden und mit viel Gespür für das richtige Gleichgewicht. Doch wer zu sehr auf den Boden vor dem Vorderrad achtet, dem peitscht oft ein Zweig ins Gesicht. Der Windschatten ist bei 20 km/h unbedeutend und zu dichtes Auffahren ist noch gefährlicher als auf der Straße, daher sind die Pulks im Normalfall weniger dicht.

Wer an einer RTF das gleichmäßige, meditative Kurbeln liebt, wird hier kaum große Freude haben. Eine CTF ist etwas für Leute, die sich austoben wollen, die schwitzen wollen, die für eine Weile Pfadfinder oder Indianer auf dem Kriegspfad spielen und die verschwitzt und wenn's sein muss, auch etwas dreckig nach hause kommen wollen. Doch keine Täuschung bitte: eine CTF ist eine im Grunde sehr leise Veranstaltung: Das Rascheln der Blätter unter den rollenden Rädern, gelegentlich leises Klappern der Satteltaschen, das Klicken der Schaltungen und das Atmen der Fahrer ist oft alles, was zu hören ist. Wenn sich Zwei miteinander unterhalten, so ist dies mit Abstand das lauteste Geräusch.

Was ich gelernt habe:

Im Grunde ist Mitmachen einfach: ein hinreichend geländegängiges Rad reicht! So wild wie bei einem CC-Rennen wird beileibe nicht gefahren. Vorder- und/oder Hinterradfederung müssen nicht sein, sie mindern allenfalls subjektiv mögliche Sorgen um Felgen und Speichen. Selbst mit einem preiswerten und leichten ungefederten Rad bist du ausreichend ausgestattet. Wähle aber mit Bedacht die geeigneten Reifen. Slicks oder Semislicks bieten nicht immer gute Traktion, besonders im Sand, im Schlamm oder auf feuchtem Gras. Hoher Reifendruck bedeutet eher schlechten Grip. Im Wald liegen in aller Regel auch keine Scherben und Nägel herum, also reduziere den Druck ruhig etwas. Die größte Gefahr geht hier von Steinen und Wurzeln aus, an denen man sich Snake-bites holt, wenn man mit Volldampf darüberbrettert.

Folgendes habe ich bei offenkundig erfahrenen CTF-Teilnehmern beobachtet und teils selbst erfolgreich nachvollzogen: Gewöhne dich an eine schnellere Trittfrequenz als du sie von der RTF her kennst. Raue Unebenheiten, Schotter, Sand, Katzenköpfe, Querrillen oder Schlamm reduzieren dein Tempo oft so stark, dass du durch das erforderliche Herunterschalten um mehrere Gänge an Speed verlierst und aus dem Fluss kommst. Das danach erforderliche Beschleunigen kostet Kraft. Also kurbele von vorn herein schneller und du kannst dein Tempo leichter halten.

Wenn der Untergrund ruppig wird, reiße nicht verkrampft am Lenker herum, um dein Rad in der Spur zu halten. Sieh' zu, dass du sicher in den Pedalen stehst und lass das Rad tanzen, bis es sich von allein beruhigt. Erhöhte Sturzgefahr besteht meist nur bei lockerem Sand, Lehm, Nässe und scharfen Kanten und selbst da ist richtiger Einsatz des Körperschwerpunktes erfolgreicher als hektisches Zerren am Lenker.

Übe etwas das Fahren in steilem Gelände. Anfänger beugen sich bergauf oft zu weit nach vorn in der Angst, sich nach hinten zu überschlagen. Die Folge ist ein durchdrehendes Hinterrad, Stillstand, und anschließend eine Schiebeaktion am Hang. Wenn es bergauf geht: Oberkörper nach vorn beugen, aber das Hinterteil über dem Sattel lassen, um das Hinterrad zu belasten. Bei Bergabfahrt das Hinterteil notfalls über den Sattel hinaus nach hinten schieben. Mit dem Hinterrad kräftig bremsen, jedoch nicht bis zum Blockieren, sonst schmiert der Reifen leicht zur Seite weg und du verlierst eventuell die Kontrolle über das Rad. Mit dem Vorderrad unterstützend bremsen, aber nicht zu langsam werden.

CTFs finden oft bei Kälte statt. Zwar sorgt der erhöhte Körpereinsatz dafür, dass Beine, Arme und Rumpf nicht so leicht auskühlen, doch die Füße, Hände, Knie und der Kopf werden leicht kalt und begünstigen Erkältungen. Also: Windbreaker-Jacke, Thermohosen mit verstärktem Knie-Bereich, Fingerhandschuhe und Überschuhe an, Thermo-Halstuch um und Unterhelm-Mütze auf! Pedal-Cleats bilden erstklassige Kältebrücken von den Tretkurbeln zu den Fußballen, d.h. sie kühlen die Füße stark aus. Überlege, ob du besser mit normalen Pedalen und dicken Socken in Schuhen ohne Cleats fährst. Alternativtipp: Im Handel gibt es Einlegesohlen, die auf der Unterseite mit Alufolie und auf der Oberseite mit einer Schicht Schafwolle versehen sind und gut isolieren sollen.

Viel Spaß!


Georg Rittel, RG Wedel, 2004